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Wie ist es um die ALM-Strategie der Automotive OEMs bestellt?

Von Philipp Hasenäcker

Der wachsende Anteil von Software und Elektrik/Elektronik in den Produkten, die damit einhergehende zunehmende Produktkomplexität, immer strengere gesetzliche Auflagen und die Unterstützung neuer Geschäftsmodelle machen die domänenübergreifende digitale Durchgängigkeit für die Automotive OEMs zu einem MUSS. Der Weg dahin ist jedoch lang und beschwerlich. Wie ist es also um die ALM-Strategie der Automotive OEMs bestellt?

Als ich gebeten wurde, das aktuelle Editorial über die ALM-Strategie bei den OEMs zu verfassen, war ich sofort Feuer und Flamme. Das Thema Application Lifecycle Management ist einer der fachlichen Schwerpunkte, mit denen sich mein Team bei BHC und ich in unseren Kundenprojekten beschäftigen. Außerdem haben wir zusammen mit PROSTEP gerade eine Studie darüber veröffentlicht, wie die Unternehmen das Spannungsfeld zwischen PLM und ALM managen.

Für alle, denen der Begriff ALM nicht unmittelbar geläufig ist, nachfolgend zunächst eine Einordnung: ALM oder Application Lifecycle Management erhebt, wie der Name schon sagt, den Anspruch eines ganzheitlichen Konzepts zur Verwaltung von Software entlang des Lebenszyklus. Dabei umfasst ALM unterschiedlichste Disziplinen wie das Requirements Engineering, das Build- und Releasemanagement, das Konfigurationsmanagement oder auch das Test- und Defectmanagement. Ursprünglich Anfang der 90er von großen Software-Herstellern konzipiert, ist ALM heute in diversen Ausprägungen in Unternehmen verschiedenster Branchen fest etabliert und wird durch unterschiedlichste IT-Werkzeuge unterstützt.

Die herausragende und zunehmend strategische Bedeutung eines ALM-Konzepts wird schnell klar, wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre vor Augen hält. Früher stark mechanisch geprägte Produkte wie Automobile enthalten immer mehr mechatronische oder rein Software-geprägte Funktionen und Services.

Zwar setzen sich dadurch auch die OEMs intensiver mit ALM-Konzepten auseinander. Bislang kommen sie jedoch nach meiner Erfahrung nicht “End-to-End“, sondern nur für einzelne Fachbereiche, Disziplinen und Funktionsumfänge zur Anwendung.

Da Software-geprägte Produkte aber immer wichtiger werden, betritt auch ALM zunehmend die strategische Bühne. Eines der Themenfelder, das dabei im Fokus steht, ist die “End-to-End“-Betrachtung des ALM. Es reicht nicht aus, ALM rein auf die Entwicklungsphasen von Fahrzeugen zu beschränken, vielmehr muss das Konzept durchgängig von der Entwicklung über die Produktion in die After-Sales-Prozesse etabliert werden.

Ein weiteres, erfolgsentscheidendes Themenfeld im Rahmen der Auseinandersetzung mit einer ALM-Strategie ist das organisatorische Change Management im Unternehmen. Es stellt sicher, dass alle Mitarbeiter sich abgeholt und mitgenommen fühlen und sich mit der neuen Ausrichtung identifizieren. Ein punktueller und leidenschaftsloser Ansatz wird kaum Erfolg haben.

Diese beiden Themenfelder betreffend, unternehmen die OEMs aktuell nie dagewesene Anstrengungen, der Software-Entwicklung und dem software-getriebenen Business einen neuen (und zentralen) Stellenwert zu geben. Das ist meines Erachtens absolut richtig und wichtig, da die mit einem ALM-Konzept verknüpften Fähigkeiten für ihren zukünftigen Geschäftserfolg schlicht zwingend und alternativlos sind.

Neben der methodischen bzw. organisatorischen Betrachtung ist genauso wichtig, durch welche Tools, bzw. durch welche IT-Werkzeuge ein leistungsstarkes und durchgängiges („End-to-End“) ALM-Konzept unterstützt werden kann und sollte. Einerseits positionieren sich die namhaften PLM-Vendoren mit hauseigenen Lösungen und dem Versprechen einer maximalen digitalen Durchgängigkeit bei gleichzeitiger Minimierung von Schnittstellen. Andererseits gibt es Player, die sich ausschließlich auf ALM-Werkzeuge spezialisieren, deren Einbindung in die Bestandsarchitektur durch eine breite Palette von Konnektoren leicht gemacht wird.

Letztere scheinen aktuell die Nase vorne zu haben. Wenn die Ergebnisse unserer Studie nicht täuschen, ist der Best-of-breed-Ansatz, d.h. die Kombination von IT-Systemen verschiedener Hersteller, das Mittel der Wahl. Die meisten Unternehmen wählen für die jeweilige Aufgabenstellung das jeweils bestgeeignete Werkzeug. Dadurch wird nicht nur die Handlungsgeschwindigkeit erhöht, sondern man erspart sich auch mögliche „Großbaustellen“ im komplexen Ökosystem des Engineering Backbones bei den OEM. Unsere Studie finden Sie hier.

Bei der Umsetzung eines durchgängigen ALM-Konzepts müssen die Unternehmen ihre bestehenden, oft nicht mehr zeitgemäßen Prozesse, Arbeitsweisen und IT-Werkzeuge mit neuen Ansätzen und Ideen verknüpfen. Die domänenübergreifende digitale Durchgängigkeit zu erreichen, ist eine immense Aufgabe - die daraus resultierenden Chancen und Perspektiven zum Glück aber auch. Das Team von BHC beschäftigt sich, wie gesagt, seit Jahren mit dem Thema ALM und kann sie daher bei ihren Vorhaben und individuellen Fragestellungen optimal unterstützen.

Ihr
Philipp Hasenäcker

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