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PROSTEP erläutert den Nutzen des Digital Vessel Twins

Von Lars Wagner

Auf der diesjährigen Schiff&Hafen-Konferenz Maritim 4.0 erläuterten die Schiffbau-Experten von PROSTEP die Herausforderungen für die digitale Durchgängigkeit in der maritimen Lieferkette und den Nutzen eines Digital Vessel Twins. Das Thema ihres Vortrags war gut gewählt, denn die Veranstaltung wird vor allem von Schifffahrt-Experten besucht, die sich Optimierung ihrer fahrenden Flotte interessieren.

Mit ca. 100 Vertretern von Reedereien, Anlagenherstellern und Klassifikationsgesellschaften war die Maritim 4.0 in Hamburg gut besucht. Im Fokus der Veranstaltung stand weniger der Schiffbau als vielmehr die Schifffahrt, d.h. die Herausforderungen der Schiffsbetreiber. Wir haben den Teilnehmern erläutert, welche Rolle der Digital Vessel Twin (DVT) für die Überwachung und Optimierung des Schiffsbetriebs spielt. Gemeint ist damit ein digitales Abbild des Schiffs, das mit dem realen Asset gekoppelt ist und neue Dienstleistungen wie Predictive Maintenance ermöglicht. Oder Remote Services wie die Ferninspektion, von der ein Vertreter der Klassifikationsgesellschaft DNVGL sprach. Ohne DVT ist auch die Vision autonom fahrender Schiffe nicht realisierbar.

Wir haben in unserem Vortrag deutlich gemacht, dass die durchgängige Bereitstellung digitaler Produktinformationen über den gesamten Schiffslebenszyklus eine wesentliche Voraussetzung für den digitalen Zwilling ist. Die Schiffsbetreiber stehen heute vor der Herausforderung, digitale Produktinformationen effizient, bedarfsgerecht und zweckgebunden ihren unterschiedlichen Partnern entlang des Schiffslebenszyklus zur Verfügung zu stellen. Anhand von Anwendungsbeispielen aus der Praxis konnten wir aufzeigen, wie Unternehmen in anderen Branchen servicerelevante Informationen über die Kollaboration-Plattform OpenDXM CCenter bereitstellen und dabei den Spagat zwischen digitaler Durchgängigkeit und Know-how-Schutz bewältigen.

Unser Vortrag stieß bei den Teilnehmern auch deshalb auf großes Interesse, weil wir in der Lage waren, Analogien zu den Digitalisierungsanstrengungen in anderen Branchen aufzuzeigen. So versuchen z.B. Automobilhersteller und -zulieferer die Homologation autonomer Fahrfunktionen mit Hilfe simulationsbasierter Verfahren der Validierung und Verifikation sicherstellen – ein Ansatz der auch für die maritime Industrie interessant sein könnte. Wir haben mit dem Thema DVT auf der Maritim 4.0 wichtige Akzente gesetzt und vielversprechende Kontakte zu potentiellen Neukunden geknüpft.

In der anschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung von Prof. Dr. Uwe von Lukas vom Fraunhofer IGD in Rostock warfen einige Teilnehmer die Frage auf, welche Standards erforderlich sind, um bei der Vielzahl der eingesetzten IT-Systeme zu einem digitalen Schiffszwilling zu kommen. Aus unserer Sicht ist das technische Problem der digitalen Durchgängigkeit eines DVT über verschiedene Standards lösbar, wie auch Beispiele aus anderen Branchen zeigen. Doch die Durchgängigkeit über Unternehmensgrenzen hinweg bleibt immer noch eine Herausforderung, da hier Organisations- und IP-Schutzaspekte die Anforderungen erweitern. Lukas regte dazu die Schaffung eines maritimen Data Space an, einer offenen Branchen-Plattform für den digitalen Datenaustausch.

Kontrovers diskutiert wurde auf der Veranstaltung die Frage, wo die Datenaufnahme und Dokumentation für den digitalen Zwilling stattfinden sollte. Während die Anlagenhersteller ihn gewissermaßen an Land bzw. in der Wolke verorten, um von hier aus neue Serviceangebote erbringen zu können, muss er nach Ansicht der Reedereien das Schiff an Bord begleiten, um die Crews im operativen Betrieb zu unterstützen. Sie stehen nämlich vor der Herausforderung, emissionsrelevante Daten immer wieder nach unterschiedlichen länderspezifischen Anforderungen aufbereiten und dokumentieren zu müssen, was heute noch papierbasiert erfolgt. Für uns war das eine wichtige Anregung, die es uns erlaubt, unser DVT-Konzept weiter zu schärfen.

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