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PROSTEP TechDay bei Volkswagen: Denkanstöße für Innovationen

Von Knut Stang

Denkanstöße für Innovationen wollte der PROSTEP TechDay 2026 in Wolfsburg geben. Knapp 100 Vertreter*innen von Volkswagen, Zulieferern und von Software- und Beratungshäusern, mit denen wir partnerschaftlich zusammenarbeiten, diskutierten in der Veranstaltungsarena am Forum AutoVision über die Umgestaltung der System- und Prozesslandschaft bei Volkswagen und die damit verbundenen Herausforderungen.

Der Volkswagen-Konzern erklimmt derzeit mit großer Energie die nächste Evolutionsstufe seiner System- und Prozesslandschaft. Das erfordert mutige, innovative Lösungsansätze. Solche Ansätze ergebnisoffen mit Ideengeber*innen
aus verschiedenen Unternehmen zu diskutieren, war das Ziel des diesjährigen PROSTEP TechDays.

PROSTEP wirkt seit Jahren mit verschiedenen Teams aktiv an der Gestaltung der Prozesse des Volkswagen-Konzerns mit, nicht nur bei der Konzern-IT, sondern auch bei mehreren Konzernmarken, vor allem in Wolfsburg, München, Stuttgart und Hannover. Unsere Mitarbeiter*innen übernehmen hierbei oft die Initiatoren-Rolle neuer und unkonventioneller Lösungsansätze.

Wo die Reise hingehen soll, erläuterte Dr. Markus Blum, Leiter E2DT bei Volkswagen, in seiner Keynote zum Auftakt der Veranstaltung. Blum machte die besonderen Herausforderungen und Chancen der nächsten Jahre deutlich: Das Erreichen eines weltweiten Entwicklungsverbunds, die Durchgängigkeit in den datenbasierten Prozess und die Modernisierung der IT-Landschaft in der Fahrzeugentwicklung sind hier wichtige Ziele. Zugleich betonte er die Potenziale, die der Einsatz KI-basierter Werkzeuge für die Fahrzeugentwicklung bietet.

Zwei Leitthemen verbanden auf dieser Grundlage die Beiträge von PROSTEP und unseren Partnern ABAT, Accenture, CONTACT, PTC und UNITY auf dem TechDay: Zum einen die künftige Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) in diversen Funktionen und Rollen und mittelfristig die Entwicklung von KI-basierten Werkzeugen von Hilfsmitteln zu autonom gestaltenden und entscheidenden Agenten. Damit eng verwoben trat dann vor allem die wachsende Bedeutung der sprachlichen Integration des Konzerns mit seiner Vielzahl an Landes- und Fachsprachen ins Zentrum der Diskussion. Denn hier schafft Volkswagen schrittweise die Basis für ein umfassendes Anforderungs-Management, das den gesamten Fahrzeug-Lebenszyklus strukturieren wird. Dafür hat PROSTEP den Leitbegriff des „Requirements Backbone“ entwickelt, der im Kontext von MBSE und Software-Defined Vehicle (SDV) die Topologie als Leitprinzip des Fahrzeug-Lebenszyklus schrittweise ablösen wird.

Grundidee dieses Backbones ist, dass er das Fahrzeug zum einen vollständig beschreibt (und nicht nur das Delta gegenüber dem Vorgängermodell) und zum anderen, dass diese Anforderungen nicht nur in der Entwicklung eine Rolle spielen, sondern den gesamten Lebenszyklus bis in den Aftersales-Bereich strukturieren und verklammern. Denn auch im Aftersales ergeben sich möglicherweise Änderungen an Ersatzteilen aufgrund neuer Normen und Regularien, die in den Requirements Backbone zurückfließen müssen, um die Rückverfolgbarkeit der Fahrzeugentwicklung sicherzustellen.

Die Beiträge präsentierten keine fertigen Ergebnisse, sondern dienten als Einstieg in ergebnisoffene Diskussionen über die Tauglichkeit bestimmter Lösungsansätze, die in den folgenden Monaten und im nächsten Jahr fortgeführt werden sollen. Es wurden Lösungen präsentiert, die sprachlichen Limitierungen von LLMs zu überwinden, und es wurden Voraussetzungen und nötige Schritte zu einer deutlich höher integrierten System- und Datenlandschaft diskutiert. Zugleich gelang in allen Diskussionen die direkte Anbindung der fokussierten Aspekte an die aktuelle Wirklichkeit bei Volkswagen, sodass konkrete Maßnahmen dort in ersten Skizzen bereits erarbeitet werden konnten.

In der abschließenden Podiumsdiskussion spielte entsprechend die Frage eine große Rolle, welche Veränderungen auf die bei Volkswagen gelebten Prozesse vor allem durch die wachsende Bedeutung von KI zukommen. Hier wurden Chancen, aber auch Risiken diskutiert. Ohne KI-Unterstützung, da waren sich die Diskussionsteilnehmer*innen einig, lässt sich der Requirements Backbone nur schwer realisieren, und er ist zugleich ein wichtiger Treiber für den gezielten Einsatz von KI-Methoden im Entwicklungsprozess.

Die Diskussionsteilnehmer*innen betonten aber auch, dass sich die großen Chancen der KI nur nutzen lassen, wenn man die Mitarbeitenden im gesamten Konzern immer wieder motiviert und begeistert für diese Chancen, statt die ohnehin umstrittene Behauptung, KI würde Arbeitsplätze vernichten, ins Zentrum des Wandlungsprozesses zu stellen.

Steine ins Wasser zu werfen und Wellen zu provozieren, war das Ziel des PROSTEP Techdays. Das ist der Veranstaltung gelungen. Das neue Format mit Kurzvorträgen und längeren Diskussionen kam bei den Teilnehmer*innen sehr gut an. Die in Wolfsburg vorgestellten, innovativen Ansätze sollen in der nächsten Zeit weiter diskutiert und vertieft werden.

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