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Valeo Siemens eAutomotive nutzt OpenDXM GlobalX als SaaS-Lösung

Von Frank Timmermann

Software steuert immer mehr lebenswichtige Funktionen im Fahrzeug. Um ihre Integrität zu gewährleisten, stellen Automobilhersteller und -zulieferer beim Austausch von Software-Code höchste Anforderungen an die Sicherheit. Gleichzeitig müssen sie flexibel neue Partner in die Austauschprozesse integrieren können. Valeo Siemens eAutomotive nutzt deshalb PROSTEPs sichere Datenaustauschlösung OpenDXM GlobalX als Service aus der Cloud.

In einem modernen Auto stecken bis zu 100 Millionen Zeilen Software-Code; und dank Trends wie e-Mobilität und autonomes Fahren werden es immer mehr. Software steuert nicht nur die Leistung von Verbrennungsmotoren, sondern sorgt auch bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen für ein perfektes Zusammenspiel von Elektromotoren, Spannungswandlern, Ladegeräten etc. und für ein effizientes Energiemanagement. Im Unterschied zum Verbrennungsmotor müssen bei einem Elektromotor Leistungsschwankungen, z. B. aufgrund wechselnder Umgebungstemperaturen, durch die Software ausgeglichen werden, um die Reichweite zu maximieren.

Das Antriebssystem für ein Elektrofahrzeug ist kein Produkt von der Stange, das einfach in jedes Fahrzeug eingebaut werden kann, sondern muss immer fahrzeugspezifisch angepasst werden. Das geschieht zu einem großen Teil über die Software. Deshalb müssen die Entwickler in der Frühphase der Entwicklung den OEMs ständig neue Versionen des kompilierten Source-Codes zur Verfügung stellen, die dann in die Steuergeräte geflasht, getestet und debugged werden. Anhand der Testergebnisse, die von den OEMs zurückkommen, erkennen die Entwickler, welche Parameter noch nicht richtig funktionieren, und verbessern den Code. Ein Prozess mit extrem hoher Schlagzahl, wie Martin Wichert, Application Engineer PLM im Bereich Information Services bei Valeo Siemens eAutomotive, sagt.

Spezialist für die Mobilität von morgen

Valeo Siemens eAutomotive ist ein 2016 von Valeo und Siemens gegründetes Joint Venture, das Hochspannungskomponenten und -systeme für die Hybrid- und Elektrofahrzeuge aller namhaften OEMs herstellt. Siemens hat in das Gemeinschaftsunternehmen seine langjährige Erfahrung in der Motoren- und Umrichtertechnik eingebracht, Valeo seine Ladetechnik, Invertersysteme, Konvertoren etc. und vor allem seine Automotive-Expertise als einer der weltweit größten Automobilzulieferer. Das Joint Venture hat seinen Hauptsitz in Erlangen und unterhält F&E-Zentren in Frankreich, Deutschland, Norwegen und China. Produziert wird außerdem in Deutschland, China, Polen und Ungarn. Weltweit beschäftigt Valeo Siemens eAutomotive derzeit mehr als 1.000 Mitarbeiter und ist auf der Suche nach weiterem Personal, um das rasante Wachstum bewältigen zu können. Das Auftragsvolumen hat sich im letzten Jahr vervielfacht und inzwischen einen Stand von 10 Milliarden Euro erreicht.

Wachstum und Harmonisierung der heterogenen IT-Systemlandschaften in den beiden Unternehmensteilen in Einklang zu bringen ist eine der Herausforderungen, vor denen das Joint Venture steht. Die ehemaligen Siemens-Standorte nutzen im Wesentlichen noch die Systeme von Siemens PLM Software, während die Valeo-Welt eher Dassault Systèmes-geprägt ist. Ziel ist es, innerhalb der Valeo-Infrastruktur eine eigenständige Systemlandschaft mit Teamcenter als PLM-System für die Mechanik- und Elektrik/Elektronik-Entwicklung und Polarion als ALM-System (Application Lifecycle Management) für die Steuerung der Software-Entwicklung aufzubauen, wie Wichert erläutert.

Höchste Sicherheitsstandards

Der Aufbau einer gemeinsamen IT-Infrastruktur erfordert jedoch Zeit. Zeit, die die Software-Entwickler nicht hatten, denn sie mussten praktisch aus dem Stand in der Lage sein, Daten mit OEMs und Zulieferern auszutauschen. Deshalb entschied sich Valeo Siemens, als einer der ersten Kunden das neue SaaS-Angebot (Software as a Service) von PROSTEP zu nutzen. Die Datenaustauschlösung überzeugte durch ihre zahlreichen Referenzen im Automotive-Umfeld und die Tatsache, dass Valeo OpenDXM GlobalX schon seit geraumer Zeit einsetzt – allerdings On-Premises und im Wesentlichen für den CAD-Datenaustausch.

„Fast Deployment war der ausschlaggebende Grund für die Wahl der SaaS-Lösung“, sagt Wichert, „aber natürlich nur unter sicheren Bedingungen. Die Sicherheitsanforderungen der Automobilhersteller werden nämlich von Jahr zu Jahr strenger. Sicherheitskritische Software darf auch als kompiliertes Binary nur mit End-to-End-Verschlüsselung durch Public und Private Key-Mechanismen ausgetauscht werden, um ihre Integrität zu garantieren und Manipulationen auszuschließen. Die ausgetauschten Dateien müssen ein Ablaufdatum haben und die Zugänge nach einer gewissen Zeit gesperrt werden.“

OpenDXM GlobalX erfüllt die höchsten Sicherheitsstandards, was regelmäßig durch Penetrationstests überprüft wird. Aber der Betrieb als SaaS-Modell war für PROSTEP natürlich Neuland, und auch der Anwendungsfall selbst: Die Datenaustauschlösung wurde ursprünglich für den sicheren Austausch von großen CAD-Datenmengen konzipiert, wie sie in der Mechanik-Entwicklung üblich sind. Bei Valeo Siemens eAutomotive hingegen geht es um den schnellen Austausch von kleinen Datenpaketen mit sehr hoher Frequenz, denn Software verändert sich bis zum Lockdown (Freigabe) ständig. Wichert schätzt, dass jeden Tag Hunderte von Dateien ausgetauscht werden.

100-prozentige Verfügbarkeit

Als einer der ersten Kunden das SaaS-Modell zu nutzen, war ein gewisses Wagnis, wie Wichert einräumt: „PROSTEP hat das jedoch extrem gut gelöst. Wir haben das Konzept gemeinsam ausgearbeitet und getestet. Die SaaS-Lösung funktionierte auf Anhieb und läuft stabil. Bis zum heutigen Zeitpunkt gab es noch nicht einen einzigen Ausfall. Sie ermöglicht uns einen effizienten, sicheren, plattformunabhängigen und benutzerfreundlichen Austausch mit Partnern, deren Sicherheitsanforderungen immer anspruchsvoller werden.“ Ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor für die Akzeptanz der Lösung und ihre gute Einbindung ins Tagesgeschäft ist die Bedienerfreundlichkeit der Web-Anwendung. Selbst Nutzer, die nicht so technik-affin sind wie die Software-Entwickler, konnten sie praktisch ohne Schulungsaufwand bedienen.

Um den Bedienkomfort für die Anwender weiter zu erhöhen, will Valeo Siemens eAutomotive die Windows Explorer-Integration von OpenDXM GlobalX unternehmensweit ausrollen. Sie ermöglicht es, Datenaustauschvorgänge mit der geforderten Sicherheit durch einfache Drag & Drop-Operationen direkt in der Windows-Ordnerstruktur zu veranlassen. Die Integration wird bereits auf einigen Maschinen erfolgreich eingesetzt, aber vor dem Rollout müssen noch ein paar Anpassungen an den Sicherheitseinstellungen vorgenommen werden. Auch eine direkte Integration der Plattform in die jeweiligen Backend-Systeme steht auf der Roadmap.

Enorme Zeit- und Kosteneinsparungen

Aus Unternehmenssicht hat die SaaS-Lösung den Vorteil, dass Valeo Siemens eAutomotive sie ohne Installationsaufwand nutzen konnte. Die IT brauchte keine neue Hard- und Software anzuschaffen, zu installieren und zu testen, sondern musste lediglich die Datenleitungen erweitern und in den Firewalls die entsprechenden Zugänge einrichten. „Die Installation einer Server-basierten On-Premises-Lösung, ihre Integration in die bestehende IT-Infrastruktur und die Schulung der Anwender hätten Zeit gekostet und wären uns bestimmt viermal so teuer gekommen“, sagt Wichert. „Außerdem können wir sehr schnell und zu kalkulierbaren Kosten skalieren, wenn wir mehr Austauschpartner einbinden müssen.“

De facto hat sich die ursprünglich veranschlagte Zahl von 200 Anwendern binnen eines Jahres auf fast 400 erhöht. Darunter sind mehr als 200 externe Nutzer von OEMs und Zulieferern, z. B. Entwicklungspartner in Indien, die für Valeo Siemens eAutomotive bestimmte Software-Komponenten entwickeln. PROSTEP hat mehrere Vorlagen generiert, die eine schnelle und sichere Freischaltung von neuen Anwendern für die verschiedenen Sicherheitsstufen bis hin zur End-to-End-Verschlüsselung ermöglichen. Einen neuen Account einzurichten dauert laut Wichert nicht mal fünf Minuten.

„Wir betrachten OpenDXM GlobalX als eine Kernanwendung für den sicheren Datenaustausch mit Anwendern, die keinen direkten Zugriff auf unsere ALM- und PLM-Systeme haben“, fasst Wichert zusammen. „Es ist eine zukunftsfähige Plattform, die den wachsenden Sicherheitsanforderungen der OEMs gerecht wird, und die uns die Möglichkeit bietet, unsere Datenaustauschprozesse in Zukunft noch stärker zu automatisieren.“

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