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prostep ivip Verein: Aufbruch zu neuen Ufern

Von Bernd Pätzold

Das prostep ivip Symposium feierte in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag – eine wahre Erfolgsgeschichte. Der Verein ruht sich jedoch nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern hat einen Querdenker-Club ins Leben gerufen, der mit Blick auf die Herausforderungen der digitalen Transformation neue Ideen für die Gestaltung des Symposiums entwickeln soll. Eine Entscheidung mit Weitblick, denn erfolgreiche Geschäftsmodelle sind gerade im Zeitalter der Digitalisierung keine Garantie für künftige Erfolge mehr.


Ich gratuliere dem Verein herzlich zu der erfolgreichen Veranstaltung, die wieder mit einem hochkarätigen Publikum glänzte, das man auf keiner anderen Veranstaltung in dieser Zusammensetzung findet. Über 600 Teilnehmer trafen sich in diesem Jahr im Colosseum Theater in Essen, einer umgebauten Fabrikhalle aus der Zeit der zweiten industriellen Revolution, um sich darüber zu informieren, wie sie die vierte industrielle Revolution bewältigen können. Eine Revolution, die durch das Internet of Things ausgelöst wurde nicht nur die Produktion betrifft, sondern alle Wertschöpfungsketten.

Die Reichweite der vierten industriellen Revolution machte Dr. Michael Picard von der ThyssenKrupp AG, dem diesjährigen Industriesponsor, in seiner Keynote deutlich: Virtuelle Inbetriebnahme von Aufzugssystemen am digitalen Modell, Big Data Analytics, um Stahlbedarf der Kunden und Produktionskapazität in Einklang zu bringen, smarte Fertigung von Nockenwellen dank Realtime-Kontrolle, neue Serviceangebote durch die Kombination von Sensordaten und Augmented Reality. Der traditionsreiche deutsche Industriekonzern hat die Herausforderung der digitalen Transformation angenommen.


Um die digitale Transformation zu meistern, müssen die Unternehmen agiler werden. Nicht nur in der Entwicklung neuer, smarter Produkte und Produktionssysteme, sondern auch bei der Implementierung von IT-Lösungen zur Unterstützung neuer Geschäftsprozesse und -modelle. Die Marschrichtung gab Ralf Waltram von der BMW Group, die das nächste Symposium in München sponsern wird, in seiner Keynote vor: Weg von den monolithischen IT-Systemen hin zu einer serviceorientierten Architektur, an die auch die anderen Disziplinen einfacher angebunden werden können.

Was bedeutet das für PLM? PLM ist nicht tot, wie manche Auguren behaupten, sondern wichtiger denn je – da muss ich Karl Heinz Zachries, dem Geschäftsführer von Sponsor CONTACT Software voll zustimmen. Aber es reicht meiner Meinung nach nicht aus, dass immer nur gebetsmühlenartig zu wiederholen, weil das für uns Ingenieure einfach selbsterklärend ist. Wir müssen gerade den neuen Stakeholdern in der Wertschöpfungskette, den Managern in Software-Entwicklung, Fertigungsplanung, Service etc., von denen ich gerne mehr auf der Veranstaltung sehen würde, glaubhaft machen, worin die Value Proposition von PLM besteht.

Waltram sagte auch, dass der Umbau der IT-Landschaften neben Agilität offene Best in Class-Lösungen und Standards erfordere und dass deshalb der Code of PLM Openness (CPO) so wichtig sei. Offenheit darf jedoch nicht nur ein Lippenbekenntnis sein. Deshalb hat der Verein mit aktiver Unterstützung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ein Zertifizierungsprogramm gestartet, das zurzeit zusammen mit verschiedenen Kandidaten getestet wird. Einer davon ist übrigens die PROSTEP AG. Ein hochrangiger Vertreter des BMWi erläuterte den Teilnehmern des Symposiums, warum der CPO nicht nur für PLM, sondern für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wichtig ist.


Am meisten beeindruckt hat mich in diesem Jahr der Demonstrator des prostep ivip Synced Factory Twin, der am Beispiel von zwei Arbeitsstationen der Montagelinie des Airbus A320 aufzeigte, wie sich die Fertigungsabläufe durch Echtzeit-Erfassung der Shopfloor-Daten im laufenden Takt simulieren und optimieren lassen. Die Arbeitsgänge müssen nicht zurückgemeldet werden, sondern werden per Geotracking und Sensoren erfasst. Der Synced Factory Twin kann mit einer gewissen Unschärfe umgehen und trotzdem die richtigen Vorschläge für die optimale Reihenfolge der Abläufe unterbreiten.

Die neuen Themen finden auf dem Symposium also heute schon statt, aber sie richten sich noch überwiegend an die alten PLM-Hasen. Die Herausforderung, vor der der prostep ivip Verein steht, ist neue Stakeholder aus den anderen Entwicklungsdisziplinen und vielleicht auch neue IT–Vendoren für das Symposium zu gewinnen. Dazu wünsche ich Vorstand und Geschäftsleitung viel Erfolg. Wenn es den Verein nicht gäbe, müsste man ihn glatt erfinden. Da es ihn gibt, braucht man ihn nur neu zu erfinden.

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